Und auf einmal steht Beate vor der Tür

Eine gute Freundin von mir ist derzeit im 6. Monat schwanger. Je näher der Geburtstermin heranrückt, desto mehr macht sie sich Gedanken darüber, wie ihre 2- jährige Tochter auf das kommende Geschwisterchen reagieren, und wie groß die eventuelle Eifersucht sein wird.

Vielleicht können wir Erwachsene ein wenig erahnen, wie es den kleinen Würmern gehen mag, wenn ihre Alleinherrschaft beendet und zukünftig zu zweit Daheim regiert wird. Doch wie es wirklich in Kind Nummer 1 aussieht, wissen wir natürlich nicht. Wir hoffen einfach auf das automatische Einsetzen der Geschwisterliebe.

Bei ihrer letzten Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt sprach meine Freundin mit Selbigen über das Thema Eifersucht. Dieser sagte dann zu ihr:

„Stellen Sie sich mal vor, Ihr Mann kommt heute Abend nach Hause und hat eine fremde Frau dabei. Gut gelaunt sagt er dann: Hallo Schatz, das ist Beate und die wohnt ab heute bei uns. Und die hab ich übrigens genauso lieb wie dich!“ 

Wie würden Sie sich da fühlen, fragte der Arzt meine Freundin? Worauf diese antwortete, dass sie wahrscheinlich sehr geschockt sein würde und ein hysterischer Heulkrampf nicht zu verhindern wäre.

„Sehen Sie, und so wird sich Ihre Tochter fühlen, wenn Sie mit Brüder,- oder Schwesterchen nach Hause kommen werden.“

Ich finde diese simple Erklärung des Gynäkologen absolut hervorragend! Man bekommt einen viel besseren Eindruck davon, wie Kinder sich fühlen müssen, wenn die Familie um ein Mitglied erweitert wird. Das mag einem vielleicht praktisch noch nicht wirklich weiter helfen, wenn mal wieder Tränen der Eifersucht geweint oder Bauklötzer des Zornes geworfen werden, aber das Verständnis wird ganz bestimmt anders, und dadurch vielleicht auch der Umgang mit dem eifersüchtigen Kind. Denn wenn wir mal ehrlich sind, dann gibt es doch bestimmt bei einigen  „Mehrfacheltern“ unter uns Situationen, wo wir nicht immer Verständnis für das eifersüchtige Kind haben und mitunter auch genervt reagieren, oder?

Ich erzähle diese Geschichte immer wieder gerne, weil sie so simpel eine Situation erklärt, wo wir schlauen Erwachsenen allgemein oftmals viel zu kompliziert nach einer Erklärung suchen, warum sich eine andere Person – egal ob es das eigene Kind ist, oder sonst wer – eifersüchtig verhält oder sich unverstanden fühlt. Nicht immer müssen wir analytisch an die Sache rangehen, sondern uns nur mal in den anderen hineinversetzen und einfühlen. Einfach mal erspüren, wie man sich selber fühlen als auch reagieren würde.

Dafür finde ich das „Beate-Prinzip“ – so nenne ich es jetzt mal – einfach nur genial!

Tritt diese Situation in Kraft, dass dein kleiner Kronprinz- prinzessin vom Thron geschupst wird, weil weiterer royaler Nachwuchs ins Haus kommt und die Hütte brennt vor lodernder Eifersucht, dann hinterfrage dich nicht gleich kritisch, ob du vielleicht was falsch gemacht hast. Dass ihr als Eltern in Zeiten der Alleinherrschaft eures ersten Kindes, diesem vielleicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt habt, es zu sehr verwöhnt wurde, sodass daraus jetzt ein schlechtes Sozialverhalten resultiert. Das ist nämlich Blödsinn!

Denk einfach an „Beate“ und wie du dich fühlen würdest, wenn diese dir aus heiterem Himmel vor die Nase gesetzt würde von deinem Liebsten. Für die Männer unter euch gilt natürlich genau das gleiche, falls eure bessere Hälfte auf einmal „Peter“ mit im Schlepptau hat.

Versucht gelassen zu bleiben und gesteht es eurem Kind zu, dass es traurig und verwirrt ist am Anfang und die Eifersucht zunächst glüht, weil ja erstmal gelernt werden muss, wie man mit einer geteilten Liebe klar kommt.

Ich bin mir aber sicher: Je mehr ihr euch in euer Kind hineinfühlen könnt, desto schneller wird sich die Situation entspannen und ein harmonisches miteinander wird sich wieder einstellen.

Viel Glück!

P.S. Vielleicht mögt ihr ja auch von euren Erfahrungen berichten und habt eventuell noch andere Tipps parat. Oder aber ihr kommentiert, was ihr so von dem „Beate-Prinzip“ haltet.

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