Tränen sind die Sprache der Seele

Tränen sind die Sprache der Seele und sie wollen einfach geweint werden, wenn das Fass zu voll ist. Wenn du aufmerksam bist und genau zuhörst, dann verstehst du auch, welche Geschichten dir deine Tränen erzählen möchten.

Im ersten Moment kann es sein, dass es dir wie eine Fremdsprache vorkommt, die du nicht verstehst. Ein Kauderwelsch in deinen Ohren und viel mehr noch im Herzen. Doch wenn du es fließen lässt und die leisen Töne achtest, das Flüstern nicht überhörst, dann begreifst du die Story dahinter.

Manchmal ist es ein Krimi, oft ein Drama, nicht selten eine Liebesgeschichte, mitunter eine Verzweiflungstat und hin und wieder sogar eine Komödie. 

Aber egal welches Stück gespielt wird, du bist immer der Hauptdarsteller und das Spotlight ist in jeder einzelnen Sekunde auf dich gerichtet. Ja, es blendet sehr und du möchtest am liebsten die Augen schließen, weil es so anstrengend ist mitzuspielen. Gibt ja auch noch nicht mal eine große Gage dafür, außer geschwollene Augenlider und Kopfweh am nächsten Tag.  Aber das entspricht nicht der Wahrheit, denn in Wirklichkeit wirst du reich beschenkt.

Dieser Regentanz deiner Seele zeigt dir mit jedem einzelnem Tränentropfen, dass du lebendig bist, fühlen kannst und nichts in dir abgestorben oder verroht ist.

Durch den Fluß der Tränen kann deine Seele wieder anfangen zu atmen und befreit sich von der „Bronchitis“ des Leids und dem Gefühl des Erstickens.

Ok, nun habe ich wörtlich wirklich sehr in Metaphern geschwelgt, aber ich empfinde es tatsächlich so, wie meine blumige Beschreibung es zum Ausdruck bringen soll 🙂

Viel zu oft schlucken wir einfach nur runter. Hier noch mal diese Enttäuschung, da den Schmerz, dort die Verletzung. Oder uns ist zum Weinen zu mute, weil wir einfach nur erschöpft und ausgelaugt sind, von dem täglichen Wahnsinn oder den Besonderheiten, die unser Leben anstrengend machen.

Vor lauter Terminen und Verpflichtungen bleibt keine Zeit für Heulerei, weil wir so optimal wie möglich funktionieren müssen innerhalb unserer Aufgaben.

Weiter machen

Das ist oft unser Credo, unser Antrieb. Den Motor immer am Laufen halten und dabei nicht erkennen, dass dieser einen längst überfälligen Ölwechsel benötigt.

Wenn wir jedoch nicht rechts ranfahren, sondern weiter mit Vollgas auf der Autobahn unterwegs sind, dann kann es passieren, dass eben wie aus dem Nichts eine Vollbremsung hingelegt werden muss.

Sich mal so richtig gehen zu lassen ist nicht unbedingt einfach, weil wir uns in dem Moment schwach zeigen oder denken, dass wir schwach sind. Und das, wo wir doch jederzeit bestrebt sind, immer stark zu sein.

Schon bei unseren Kindern sind wir geneigt, ihnen das Tränen vergießen abzusprechen;

„Nun wein‘ mal nicht, ist doch gar nicht so schlimm“

Wie oft sagen wir das den Kleinen?

Und gerade das männliche Geschlecht wächst so auf, dass sie zu hören bekommen: ‚Jungs weinen nicht’…. ‚Ein Indianerherz kennt keinen Schmerz‘

Bullshit!! Ein echter Kerl kann, darf und soll weinen!

Zu Weinen kann etwas Heilsames, Reinigendes sein. Ich fordere meine lieben Menschen um mich herum ganz oft dazu auf, ihre Tränen nicht runterzuschlucken, sondern sie kräftig rauszulassen.

Nur mir selber verbiete ich sie ganz oft – bis vor ein paar Tagen. Da kamen sie auch bei mir. Diese viel zu lange unterdrückten Tränen. Sie rollten nicht, nein, sie kamen in Form eines Gewitters.

Es kam so heftig über mich, dass ich gar nichts anderes machen konnte, als es zuzulassen, und das war gut so!

Ich weinte um mich, um andere. Befand mich im Selbstmitleid und im Leid der anderen. War traurig, wütend, deprimiert.

ABER….ich war in dem Augenblick ganz bei mir!

Auch wenn die Gedanken und Tränen auch um andere Personen kreisten…ich war dennoch voll und ganz bei mir, denn ich lies zu und verdrängte nicht. Ich war offen und bereit. Es war nur eine Zeit für mich und ich nahm sie mir, gestand sie mir zu.

Geht es mir jetzt besser? Ein Stück weit schon! Auf jeden Fall geht es mir anders, denn ich konnte gewissermaßen etwas Druck abbauen und ich fühle mich „durchgepustet“, respektive wahrlich „durchgespült. Wie, als wäre ich in einer Waschanlage gewesen 😉

Die ‚Karosserie‘ ist nun also eine zeitlang gereinigt. Der äußere Lack brauchte ein, zwei Tage, bis auch der wieder hergestellt war.

Seid also mutig, und lasst euren Tränen den freien Lauf, den sie hin und wieder so dringend benötigen. Weinen hilft beim Gesund werden und bleiben, denn alles was wir zwanghaft unterdrücken wird an der Seele nagen, beißen und fressen.

In diesem Sinne: Lasst raus, was nach draußen will 🙂

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