Herzschmerz

Selbst im Erwachsenenalter macht der blöde Herzschmerz uns noch zu schaffen. Hat keinen Respekt vor irgendeiner Zahl in unserem Personalausweis. Und er trifft uns auch dann, wenn es von den Lebensumständen her eigentlich so gar nicht passt. Man kann sich nur schlecht dagegen wehren, selbst wenn der Kopf mit anderen Dingen voll ist. Wir zum Beispiel gerade erst einen neuen Job angefangen haben und unsere volle Konzentration eigentlich darauf ruhen sollte. Oder aber die Einschulung des Kindes steht bevor, der erste Kindergartentag ist nicht mehr fern, Geburtstage wollen gefeiert werden.

Das Herz schmerzt, die Seele schreit, und am liebsten wollen wir nur im Bett liegen und uns die Decke über den Kopf ziehen. Sich unsichtbar machen, weil das Lächeln nicht über unsere Lippen huschen kann. Wir nur noch weinen möchten oder aber all das Leid herausgeschrien werden will.

Doch gerade für Eltern, die noch in der Verantwortung für ihre Kinder stehen, weil diese noch zu klein sind um sich in unserer quälenden Zeit des Liebeskummers um sich selbst zu kümmern, ist der Herzschmerz quasi eine Luxusveranstaltung, die wir uns nicht leisten können

Wir können uns noch nicht mal anständig betrinken, den Kummer für einen kurzen Moment hinunterspülen um ihn dann anständig und im vollen Schwall in die Kloschüssel zu kotzen. Unser Nachwuchs hat uns ja stets und ständig im Auge. Möchte mit uns spielen, will unterhalten und bespaßt werden. Braucht unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge. Ganz davon abgesehen, dass Alkohol eh keine Lösung ist.

Doch wer sorgt sich um uns? Wir selbst sind in solchen Zeiten absolut nicht in der Lage dazu. Natürlich sagt uns unser Verstand: „Hey, lass dich mal nicht so gehen.“ Deine Kinder sind schließlich das Wichtigste auf der Welt für dich. Doch man ist doch auch eine Frau, ein Mann. Eine liebende Person, die ihr Herz an ein anderes Herz verschenkt hat und gerade verlassen wurde oder aber extreme Beziehungsprobleme hat.

Deshalb ist es ja auch so wichtig, dass man es selbst in solchen Krisenzeiten schafft, genügend Selbstfürsorge an den Tag zu legen. Dass man Kummer haben darf, dass die Trauer auch Raum hat aber uns nicht so beherrscht, dass sich der Boden unter den Füßen auflöst.

Ich muss gestehen, dass ich noch vor geraumer Zeit ganz schlecht darin war, dem Liebeskummer keine Oberhand gewinnen zu lassen. Wenn es mich erwischt hatte, dann voll und ganz, und in meinem Kopf war kaum Platz für anderes, als das blutende Herz. Die Gedanken kreisten permanent um den Liebsten und die Nächte brachten mir mehr Unruhe als Erholung, da ich von fiesen Träumen heimgesucht wurde. Trotzdem kümmerte ich mich um meinen Sohn, auch wenn es mal wieder unter der Woche viel zu spät wurde mit dem zu Bettbringen, weil das Telefonat mit der besten Freundin zu lange gedauert hatte.

Ich versuchte mich immer wieder aufs Neue darauf zu besinnen, dass da noch der Kleine ist, der mich braucht. Und natürlich war das schlechte Gewissen mein ständiger Begleiter und klopfte massiv an meine Schultern. Dann versuchte ich mir zu sagen, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden. Aber die versäumte Zeit mit meinem Kind kann mir niemand zurückgeben, denn das Rad der Lebenszeit dreht sich schließlich auch in Zeiten des Kummers unermüdlich weiter.

Aber auch dir selbst kannst du die Zeit, die du mit Herzschmerz und Seelenleid verbringst nicht zurückbringen. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass du nicht traurig sein oder trauern darfst. Nein, so meine ich das nicht. Es geht darum, sich nicht in dieses dunkle Tal, das tiefe Loch zu setzten um dort Hocken zu bleiben.

Schmerz und Kummer haben ihre Berechtigung, aber dennoch ist es ungemein wichtig, sich selbst die Frage zu stellen: Will ich an meinem Schmerz zugrunde gehen oder aber will ich nach vorne blicken und es schaffen, dass es mir wieder gut geht? Das ist deshalb so notwendig, weil die mentale Einstellung der Verstärker für Herz und Seele ist.

Aber gerade weil man in diesen Herzschmerzzeiten viel zu sehr im Außen unterwegs ist und seine Aufmerksamkeit nicht für sich selbst ins Innere setzt, der Schwerpunkt nur der ist, dass man rauf und runter grübelt, warum diese Trennung vollzogen wurde, warum die Liebe beim anderem weg ist. Das hält einen davon ab sich auf sich zu fokussieren.

Natürlich soll man in die Reflektion gehen. Auch ergründen, warum etwas geschehen konnte, was man selber unter Umständen gar nicht wollte. Doch zunächst sollte auf der Agenda ganz weit oben stehen: Ich will stabil werden und bleiben!

Wenn die ersten Stunden, Tage nach einer Trennung überstanden sind, sich der erste Schock etwas gelegt hat, dann wird es dir zwar immer noch schlecht gehen, aber du solltest versuchen, wieder den Alltag so gut es geht leben zu können. In dieser Zeit ist es hilfreich, sich kleine Verschnaufpausen zu gönnen, auch wenn man noch inmitten seiner Trauer ist. Diese kleinen Verschnaufpausen sind erforderlich, weil man sonst ganz schnell in eine Depression versinken kann, weil Körper und Seele am Ende ihrer Kräfte sind.

Ganz wichtig ist, dass man sich eine Struktur aufbaut um ein Gerüst zu haben, an dem man sich festhalten kann. Ich weiß nur zu gut, dass man in belastenden Situation dazu neigt, alles schleifen zu lassen und vieles liegen bleibt, weil man quasi Regungslos und wie unter einer Dunstglocke verharrt. Das kann mitunter fatale Folgen mitsich bringen, weil schnell mal die Rechnungen nicht bezahlt oder Arzttermine verschwitzt werden. Der wichtige Elternabend nicht mehr im Kopf ist oder die Steuererklärung versäumt wurde rechtzeitig abzugeben.

Mir hat es geholfen, wenn ich mir morgens gleich zu Beginn eine To-Do-Liste anfertigte. Ich schrieb auf, was erledigt werden muss. Dazu gehörten nicht nur behördliche, administrative Dinge, sondern mindestens auch eine schöne Sache, die ich nur für mich machen wollte, wie zum Beispiel: Am Abend nehme ich ein heißes Bad. Ich lese mein angefangenes Buch weiter. Ich mache einen langen Spaziergang.

Abends guckte ich dann, welche Dinge ich von der Liste durchstreichen konnte; weil erledigt. Meistens schaffte ich nicht alle Punkte, aber immer öfter zumindest die Hälfte. Das ist Ok, denn auch ein halbgeschaffter Weg ist ein angefangener. Und ich war stolz, etwas hingekriegt zu haben.

Jeder Tag ist ein neuer Tag und auch eine neue Chance. Mal ist er ganz gut, dann wieder schlecht – das ist völlig normal und man darf es sich erlauben, auch wieder Rückschritte zu machen. Die Kurve wird nämlich nicht immer aufwärts verlaufen, sondern kann auch plötzlich wieder abfallen. Das Ganze ist ein Prozess und bedarf seiner Zeit.

Sicherlich wirst du von Familie und Freunden nun öfter zu hören bekommen: „Die Zeit heilt alle Wunden“, wo durchaus auch etwas dran ist, aber ich habe dann immer erwidert: „Ich weiß, aber wie soll ich die Zeit erstmal überstehen?“ Sicher, dein Umfeld meint es nur gut mit dir, aber es kann auch tierisch nerven, mit irgendwelchen schlauen Weisheiten vollgetextet zu werden.

Nimm dir lieber bewusste Zeit für dich, so oft es neben Job und Kindern nur irgendwie möglich ist. Erschaffe dir deine kleinen Oasen.

Für mich war Lesen immer eine gute Ablenkung. Kaufe dir Bücher, die dein Interesse wecken. Egal ob Sachbücher oder Romane. Manchmal können sogar Liebesromane ganz gut tun, aber in der Regel rate ich davon ab. Besser geeignet sind Bücher, die dich zum Lachen bringen können, die lustig und beschwingt geschrieben sind. Lesen hilft insofern, dass du in eine andere Welt abtauchen kannst und deine kreisenden Gedanken die Möglichkeit haben eine Pause einzulegen.

Renoviere deine Wohnung. Vielleicht hattest du schon länger geplant etwas in ihr zu verändern. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Ich bin in solchen Zeiten immer am kreativsten, was die Umgestaltung meiner vier Wände angeht. Und nichts ist ablenkungsreicher für mich, als auf der Leiter zu stehen und neue Tapeten an die Wand zu bringen.

Auch wenn der Tag noch so sehr mit schweren Gefühlen behaftet ist, versuche trotzdem etwas zu finden, was dir ein wenig Freude machen könnte.

Mir half es hin und wieder, wenn ich wusste, dass es abends einen guten Film im TV geben wird, der mich interessieren könnte. Ich machte mir dann etwas Leckeres zu Essen und begab mich damit ins Bett und schaute mir den Film an. War er spannend gemacht und erzählt, oder aber das Thema kam mir entgegen, dann kam meine Welt für den Moment wieder einigermaßen ins Gleichgewicht. Liebesfilme mit romantischen oder aber Sexszenen vermied ich wie der Teufel das Weihwasser. Ich schaltete sofort um. Erinnerte mich das doch an all das, was ich nicht mehr hatte. Damit sollte man sich in der ersten Zeit nach der Trennung nicht konfrontieren.

Bewegung, Sport ist immer gut. Aber darauf bin ich ja schon in dem Beitrag Und plötzlich ist die andere Hälfte weg eingegangen, wo du gerne noch mal nachlesen kannst.

Es gibt bestimmt noch so einiges an Unternehmungen, was aufzählungswert wäre. Aber ich belasse es für den Moment bei denen, wie zuvor beschrieben. Such dir das raus, was dir am besten tut. All das hat auch nichts damit zu tun, dass du in die Form der Ablenkung gehen sollst, die eine Trauerverarbeitung verhindert. Es geht einfach darum, dass du bei dir bleibst. Wieder in deine Mitte, Stabilität findest. Dass du dich auf dich konzentrierst, denn du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben!

Behandle dich selbst so, wie du eine gute Freundin, einen guten Freund behandeln würdest. Das vergessen wir nämlich viel zu oft, und vernachlässigen wir auch. Und das Wort „Vernachlässigen“ ist ja schon an sich ein sehr hässlicher, unschöner Begriff.

Außerdem ist es laut dem Resonanzgesetz so, dass, wenn man sich selber nicht gut behandelt, man auch Menschen anzieht, die einen nicht gut behandeln. Man befindet sich in einem Mangel und zieht Mängel an.

Endet eine Liebesbeziehung, dann war es nicht der richtige Partner oder aber nicht der richtige Zeitpunkt für diese Partnerschaft. Das mag jetzt hart klingen, aber ich bin überzeugt davon, dass es so ist. Vielleicht nämlich steht da irgendwo schon genau der Mensch, der zukünftig für dich der Richtige sein soll, und weshalb diese aktuell beendete Liebesgeschichte zu Ende gehen musste.

Hab Mut, diese schwere Zeit des Kummers zu bewältigen. Glaub daran, dass es möglich ist. Und vor allem: Glaub an dich!

 

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